Umwelt

Barrakudas, Papageifische und Feuerwürmer: das Mittelmeer im Wandel

Das sardische Meer erwärmt sich, und Arten aus dem Süden ziehen nach: was du Neues vor der Maske siehst, was harmlos ist und wovor du dich in Acht nehmen solltest — allen voran der Feuerwurm.

Barrakudas, Papageifische und Feuerwürmer: das Mittelmeer im Wandel
© Vid Pogacnik · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia

Wer seit zwanzig Jahren auf Sardinien schnorchelt, hat es live miterlebt: Das Mittelmeer erwärmt sich schneller als der Ozeandurchschnitt, und mit den Temperaturen wechseln die Bewohner. Manche Neuankömmlinge sind ein Spektakel, andere verlangen nur ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Ein sachlicher Guide zu dem, was dir diesen Sommer begegnen könnte.

Die neuen Hauptdarsteller (harmlos und fotogen)

Der Mittelmeer-Barrakuda überwintert inzwischen regelmäßig auch im Norden: Die Schwärme im Mittelwasser an Landspitzen und Untiefen gehören zu den eindrucksvollsten Begegnungen der Insel — und sind für Schwimmer völlig harmlos.

Der Papageifisch, historisch ein "Afrikaner", ist im Sulcis längst heimisch und arbeitet sich die Küste hinauf: Das grünblaue Männchen und das rötliche Weibchen grasen die Felsen ab wie an einem tropischen Riff. Im Südwesten, zwischen Carloforte und Chia, sind Sichtungen im Sommer mittlerweile an der Tagesordnung.

Der Kandidat unter Beobachtung: der Feuerwurm

Der Feuerwurm (Hermodice carunculata), ein Borstenwurm mit weißen Büscheln auf rötlichem Körper, ist die meistdiskutierte Ausbreitung der letzten Jahre in den Meeren Süditaliens, Sardinien eingeschlossen. Er greift nicht an — das Problem sind seine nesselnden Borsten, die sich bei Berührung in die Haut bohren.

Es gibt nur eine Regel: anschauen, nicht anfassen — niemals mit den Händen, auch nicht mit Handschuhen. Bei Kontakt entfernst du die Borsten mit einem Pflaster oder einer Pinzette, spülst mit Meerwasser und wendest Wärme an; breitet sich die Reaktion aus, geh zum ärztlichen Bereitschaftsdienst. Mit Maske und einem Minimum an Aufmerksamkeit bleibt es eine seltene, gut beherrschbare Begegnung.

Was das für Schnorchler bedeutet

Längere Saisons (das Wasser bleibt bis weit in den Oktober über 20 °C), "tropischere" Begegnungen und ein paar neue Vorsichtsregeln: So sieht die Bilanz aus. Die beste Art, den Wandel zu genießen, ist zugleich die nützlichste: beobachten und melden. Citizen-Science-Plattformen wie iNaturalist nutzen die Fotos von Schnorchlern, um die Ausbreitung der Arten zu kartieren — dein Schnappschuss kann zum wissenschaftlichen Datenpunkt werden.

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