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Nachtschnorcheln: das Meer, das du noch nie gesehen hast (und wie du es sicher ausprobierst)

Kraken auf der Jagd, Kardinalbarsche vor ihren Höhlen, Augen, die im Lichtkegel der Lampe aufblitzen: Nachts übernimmt der Meeresgrund die andere Schicht. Der Guide für den ersten Ausflug im Dunkeln – richtig gemacht.

Nachtschnorcheln: das Meer, das du noch nie gesehen hast (und wie du es sicher ausprobierst)
© cristianocani · CC BY 2.0 · Wikimedia

Der Meeresgrund, den du tagsüber auswendig kennst, ist nachts ein anderer Ort: Die Tagfische schlafen in ihren Verstecken, und die Nachtschicht rückt aus – Kraken auf der Jagd, Meeraale und Muränen auf Wanderschaft, Garnelen mit Augen, die im Lichtkegel der Lampe wie Glut leuchten. Nachtschnorcheln ist das am meisten unterschätzte Erlebnis des Mittelmeers, und alles, was du dafür brauchst, sind eine Lampe und klare Regeln.

Wo und wann

Die erste Regel klingt fast banal: Nachts kehrt man nur dorthin zurück, wo man tagsüber schon war. Eine kleine, geschützte Bucht, ein bequemer sandiger Einstieg, flacher Grund (2–4 Meter), spiegelglattes Meer und keine Strömung: Eine stadtnahe Bucht wie Cala Fighera an der Sella del Diavolo oder die geschützten Seiten von Porto Giunco sind das perfekte Profil. Die besten Abende sind ruhig und mondlos: weniger Umgebungslicht, mehr Leben unterwegs.

Eine zusätzliche Prüfung, die tagsüber entfällt: die lokalen Regeln. In manchen Meeresschutzgebieten ist das nächtliche Baden reguliert – prüfe die Verordnungen der Gemeinde und der Verwaltungsbehörde.

Die Ausrüstung: zwei Lampen und eine beleuchtete Boje

Die Mindestausstattung ist klar umrissen: eine Haupt-Tauchlampe (600–1000 Lumen reichen völlig), eine Ersatzlampe in der Tasche – im Dunkeln ist ein Ausfall kein Ärgernis, sondern ein Problem – und die übliche Signalboje, diesmal mit einem Knicklicht oder Blinklicht obendrauf: Du bist sichtbar, deine Position auch.

Im Wasser benutzt man die Lampe mit Anstand: Lichtkegel schräg halten, niemals direkt in die Augen der Tiere, und ein paar Sekunden Streiflicht über den Sand, um aufzuspüren, wer sich dort eingegraben hat. Der schönste Trick: Bleib stehen, schalte zehn Sekunden lang aus und lass deine Augen sich gewöhnen – in den richtigen Nächten leuchtet das biolumineszente Plankton bei jedem Flossenschlag auf.

Die Regeln der Dunkelheit

Niemals allein: mindestens zu zweit, besser zu dritt, mit jemandem an Land, der weiß, wo ihr seid und wann ihr zurückkommt. Ein kleiner, vorher vereinbarter Radius, ein immer sichtbarer Ausstieg und die halbe Dauer eines Tagesausflugs: Im Dunkeln sinkt die gefühlte Temperatur, und die Konzentration zehrt. Beim ersten Frösteln oder beim ersten Zweifel: raus – die Bucht ist morgen Nacht auch noch da.

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